Zum vorletzten mal Herz Der Finsternis nach joseph conrad

Zum vorletzten mal Herz Der Finsternis nach joseph conrad
Zum vorletzten mal Herz Der Finsternis nach joseph conrad
Sonntag | 23. Juli 2017 | 19:30 Uhr


HERZ DER FINSTERNIS
Fassung Alexander Ritter nach der Erzählung von Joseph Conrad

Regie: Alexander Ritter
Mit: Matthias Hecht und Mark Tumba
Musik: Manuel Loos

Wir sind endlich auf dem großen Fluss, der täglich breiter wird. Backbords lauter Inseln.
Wir fahren weiter dicht am südlichen Ufer entlang, achten auf tote Baumstämme. Diese Fahrt, den Fluss hinauf, ist wie eine Reise zurück zu den frühesten Anfängen der Welt, als Pfanzen noch unbändig wucherten und mächtige Bäume die Erde beherrschten. Ein menschenleerer Strom, eine große Stille, ein undurchdringlicher Wald.
Heute waren die Ufer zum ersten Mal mehr als vier Kilometer voneinander entfernt. Die Sonne strahlt schwer, schwül und träge. Aber es ist kein freudiges strahlen. Endlos strömt der Fluss dahin, verlassen, düster überschattet bis in tiefe Ferne. Auf den silbrigen Sandbänken sonnen sich Flusspferde und Alligatoren nebeneinander. Wo der Flusslauf breiter wird, fließt er zwischen unzähligen bewaldeten Inseln hindurch. Auf diesem Fluss verirrt man sich, wie man sich in der Wüste verirrt;
den ganzen Tag lang stößt man auf der Suche nach einem Fahrwasser auf Sandbänke, bis man sich schließlich vorkommt, als sei man verhext, sei für alle Zeiten abgeschnitten von allem, was man einmal gekannt hat…

Viele von uns kennen Joseph Conrads Herz der Finsternis, ohne es zu wissen. Francis Ford Coppolas bahnbrechendes Filmmeisterwerk Apocalypse Now basiert – nicht untreu – auf die Vorlage des polnischen, auf Englisch schreibenden Autors. Nicht in Vietnam, sondern im tiefsten Afrika, zur tiefsten Kolonialzeit, muss Marlowe den Taten des gefürchteten Stationsleiters Kurtz aufspüren. Je tiefer Marlowe in die Wildnis kehrt, desto mehr läuft er Gefahr, alles Menschliche hinter sich zu lassen.

Eine Zusammenarbeit mit dem Festival n.a.t.u.r. 2015.

PRESSESTIMMEN

Ritters Inszenierung ist düster – und zwar so düster, dass als der einzige wirkliche komische Moment auf der Bühne geschieht, dem Publikum das Lachen im Halse stecken bleibt. „Herz der Finsternis“ ist von einem entspannten Theaterabend weit entfernt, denn Ritter und seine Schauspieler verlangen dem Publikum einiges am Imagination, Durchhaltevermögen, verquerer Empathie und Nervenstärke ab.

Aber es lohnt sich allemal, denn so tief wie mithilfe dieser Inszenierung wird ein Großteil der Menschen nie wieder in den Dschungel abtauchen können.

Ruhr Nachrichten

Conrads Buch ist berühmt für seine unwiderstehliche poetische Kraft, die das Furchtbare nicht von Außen her beschreibt, sondern einen verstörenden Blick in die Kammern des Schreckens zulässt. Ritter hält sich daran und plustert den Abend nicht zu einer plakativen Anklage gegen den Kolonialismus auf. Vielmehr vertraut er auf das Wort des Romans, füttert das eher statische Bühnengeschehen lediglich mit Lichteffekten, Songs & Sounds an, wodurch in der Theater-Katakombe unter den Bahngleisen eine verrätselte, diffuse Raumstimmung hervorgerufen wird, die eine ganz eigenen Magie entfaltet.

Um bei so einem reduzierten Konzept dennoch das Theaterherz schlagen zu hören, braucht es gute Schauspieler. „Herz der Finsternis“ hat sie. In Collagemanier mit wechselnden Rollen spielen, sprechen, leben, erdulden und erleiden Matthias Hecht und Mark Tumba den seelischen und körperlichen Untergang der Kongo-Fahrer und die Vergewaltigung der urtümlichen afrikanischen Kultur. Tumba mit indigenem Stolz, Hecht als (auch körperlicher) Koloss, der sich seiner Kraft anfangs so sicher ist und der sich nach und nach geradezu aufzulösen scheint, trumpfen mit präzisem Spiel auf.

Das Rottstraße 5 Theater hat schon manche starke Inszenierung gesehen, „Herz der Finsternis“ ist eine der stärksten!

WAZ